Immer wieder Wandel!

Das waren bewegende Bilder: Die letzte Maschine der Air Berlin aus München kommend, landet in Berlin und wird dort von der Feuerwehr mit Wasserfontänen und von hunderten Menschen empfangen, anteilnehmende Lautsprecherdurchsagen, Lebkuchenherzen für die Mitarbeitenden, Tränen…

Ich gebe zu, auch mich hat die Anteilnahme und Zuwendung so vieler Menschen ergriffen. Und außerdem fühle ich natürlich mit den viel zu Vielen, die sich mit ihrem Unternehmen verbunden fühlten, sicher oft auch mal unzufrieden waren, aber der Air Berlin in all den Jahren die Treue hielten. Sie gaben ihr Bestes und stehen nun zum Teil vor dem Nichts. Aber auch mit der Auffanggesellschaft, vor allem für die Verwaltungsleute, hat es ja nicht geklappt.

Einmal Wandel? Immer Wandel?

Da saß ich also vor dem Fernseher und dann fielen mir diese Bilder ein: der Flughafen in Düsseldorf, Stammsitz der LTU (Erinnert sich noch jemand? Der Ferienflieger LTU?), die letzte Maschine – übrigens ebenfalls mit den Farben Rot und Weiß gekennzeichnet – der LTU landet, ab sofort übernimmt die Air Berlin die LTU. Und die Marke LTU verschwindet.

Meine Mama, damals viel unterwegs, als Düsseldorferin immer mit der LTU, fragt mich „Womit soll ich denn jetzt fliegen? Das geht doch nicht!“
„Ja, so ist das im Wirtschaftsleben“, sage ich ihr damals, „der Große schluckt den Kleinen.“
„Ja aber die Menschen“, sagte sie dann, „die kann man doch nicht einfach so hierhin oder dorthin schieben oder sogar rausschmeißen.“
Das fand und finde ich auch, aber eine Antwort darauf fand und finde ich auch bis heute nicht wirklich.

Immer Wandel!

Und wie jetzt bei der Air Berlin ist es natürlich nicht das letzte Mal, dass Mitarbeitende entgegen aller Hoffnungen und Anstrengungen ihre Arbeit und oft auch Identität verlieren. Im Gegenteil, mit der galoppierenden Digitalisierung werden wir sehr wahrscheinlich massiv Arbeitsplätze verlieren. Wir werden uns an andere Arbeits- und auch Lebensbiographien gewöhnen müssen. Und, ganz wichtig, wir werden uns zukünftig wieder viel stärker für Fairness und Mitarbeiterschutz am besten in Kooperation mit der Unternehmerseite einsetzen müssen.

Natürlich wird es auch immer die wunderbaren Geschichten von Unternehmen geben, die – meist erst mehrfach verkauft und bei drohender Zerschlagung – von ihren Mitarbeitenden übernommen und anschließend wieder zum Erfolg geführt werden – auch hier mit den Zauberformeln Kooperation und Solidarität. Das sind moderne Arbeitshelden und Robin Hoods! Aber sie sind nur die Rosinen im Kuchen. Leider!

Was lernen wir daraus?

Was sind die Folgen dieser Entwicklung? Bei aller beinahe Vollbeschäftigung und toller Wirtschaftsdaten fühlen sich viele, offenbar immer mehr Menschen abgehängt und nicht am Erfolg beteiligt. Viel stärker sind Gefühle von Angst und vor allem Verunsicherung. Deutlich erkennbar in Zeiten der Bundestags- und auch Landtagswahlen, dann wenigstens auch mal erfragt!

Und dann, wenigstens jetzt bei der abgestürzten SPD, auch mal Anlass zum Reden mit der Basis, den Menschen über ihre Gedanken, Bedürfnisse, Ängste, Träume… hoffentlich der Einstieg in einen nicht nur einmaligen Diskurs! Das Wissen über die Notwendigkeit eines solchen Bürgerdiskurses zur Rettung demokratischer Errungenschaften und unserer offenen Gesellschaft ist unumstritten. Zig wissenschaftliche Erhebungen von Bertelsmann und anderen belegen den Hunger der Menschen, gefragt und wahrgenommen zu werden. Und auch die Techniken dafür sind entwickelt und mittlerweile sehr erprobt!

Nur Mut!

Was also fehlt, sowohl politisch wie auch oft in Unternehmenskreisen?

  • Die Erkenntnis, dass ein „Weiter so“ nicht mehr greift?
  • Der Mut, Ungewohntes auszuprobieren?
  • Die Entscheidungskraft, es zu tun?

Auch wenn der Gedanke, BürgerInnen oder Mitarbeitende frühzeitig in Entwicklungsprozesse einzubeziehen, ungewohnt und vielleicht auch unangenehm ist – schließlich sind Kontrollverlust oder zumindest die Sorge darum nicht angenehm – es lohnt! Wir Menschen sind nämlich in unserer Gesamtheit schlauer als befürchtet. Mit ein bisschen Anleitung können wir uns auch in schwierigen Situationen zumeist auf das Wesentliche und Wichtige besinnen.

Und entsprechend handeln…

Nur Mut! Und wenn Sie wollen: Das bisschen Anleitung leisten wir gern für Sie! Rufen Sie uns einfach an… Mit besten Grüßen,

Ihre Julitta Münch,
Partnerin des Beratungshauses SolidarConsult

(Bildquelle: Alexas_Fotos, CC0, via pixabay)

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