Das Bild enthält einen Mann mit Fernglas auf einer Leiter in einer freien Landschaft als Metapher für die Betriebsratsarbeit (Bildquelle: olly18 via depositphotos)

Das neue Normal der Betriebsratsarbeit.

Wie kann die Betriebsratsarbeit aussehen? Wie machen wir weiter?

Hat es eigentlich bei Ihnen auch erstaunlich gut geklappt, die Notfallmaßnahmen der Corona-Krise mit der Geschäftsleitung abzustimmen? Oder war es schlimmer denn je – oder wie sonst auch? Gab es das Gefühl, dass alle in einem Boot sitzen? Was war anders als sonst?

Kommt nach den gemeinsam gestemmten Akutmaßnahmen jetzt der harte Kahlschlag der Sanierungsmaßnahmen? Wie stellen wir uns als Betriebsrat auf, um nicht kalt überrascht zu werden?

Der Blick in die Geschichte

Ein Blick in die Geschichte der Besiedelung Amerikas zeigt auf, welche Gruppen Krisen und Katastrophensituationen am besten überleben. Nicht die vermeintlich starken jungen Männer hatten die besten Überlebenschancen in Krisensituationen. Es waren die solidarisch zusammenstehenden Familienverbände.

Gemeinsames solidarisches Handeln zählt auch heute!  Mehr denn je. Und auch für große Konzerne wie die TUI und Lufthansa zeigt sich, dass ohne die Unterstützung der Allgemeinheit die Krisen nicht überstanden werden können.

Im Gegensatz zur Besiedelung Amerikas geht es heute eben nicht um Land und Wasservorräte. Heute ist Wissen das begehrte Gut. Daher sollten die Betriebsräte keinen einsamen Kampf führen. Sie sollten sich

  • klug vernetzen,
  • Erfahrungen teilen und
  • gute innovative Ideen gemeinsam entwickeln.

Gerade jetzt sehen wir: Die Corona-Krise beschleunigt die digitale Transformation unserer Wirtschaft. Dem Thema müssen wir uns nicht nur stellen, wir müssen es aktiv angehen und gestalten. Wir sollten dies vernetzt machen, um aus den Erfahrungen gemeinsam zu lernen. Weil die Zeit drängt. Weil es gemeinsam Spaß macht.

Die Corona-Krise hat uns deutlich in die digitale Erfahrungswelt geschubst. In den Arbeitsprozessen des Unternehmens, aber auch in unserer eigenen Arbeit als Betriebsrat.

Erste Studien zur Digitalisierung der Betriebsratsarbeit

Erste wissenschaftliche Auswertungen zeigen diese Entwicklung auf, das Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.) der Hans-Böckler-Stiftung beschreibt, dass eine Digitalisierung der Gremienarbeit zu beobachten ist, analoge Prozesse und betriebsratsinterne Kommunikationen werden jetzt digital beispielsweise mit MS-Teams oder Zoom durchgeführt.

Bei Betriebsversammlungen werden mit Mentimeter Abfragen Meinungsbilder erfasst. Auch bei den Methoden der Betriebsratsarbeit tut sich was: Agile Arbeitsmethoden wie Kanban-Boards und sogenannte Daily standups verhelfen zu einer erhöhten Transparenz und besseren Wirksamkeit der Arbeit des Betriebsrats. Sogar in der Organisation sind Veränderungen feststellbar, immer häufiger wird auch Betriebsratsarbeit als Projektarbeit aufgestellt und löst die klassische Arbeit in Fachausschüssen ab.

Die Erfahrungen mit der digitalen Arbeit in der Corona-Krise führen zu ganz konkreten Fragen:

  • Wie organisieren wir in der digitalen Gremienarbeit die wichtigen Gespräche der Kaffeepause oder der Raucherecke? Die Frage zu stellen, beruht auf der Einsicht, dass informelle Gespräche in komplexen Entscheidungsprozessen wichtig sind. Wie können wir die Gremienarbeit digital wirkungsvoll gestalten? Wie kann ein sinnvoller Mix aus digitalen, analogen oder hybriden Veranstaltungen aussehen?
  • Wie reagiert unsere Gesundheit auf die Belastungen der Corona-Krise und der Digitalisierung. Beides ist Neuland für uns, erzeugt Unsicherheit und Angst bei den Kolleginnen und Kollegen. Davon sind verantwortungsvolle Betriebsräte in besonderem Maße betroffen. Wie können wir unsere (Betriebsrats-) Arbeit anders gestalten und welche Maßnahmen ergreifen, um die gesundheitlichen Risiken zu reduzieren?
  • Welche Erfahrungen machen wir in der Betriebsratsarbeit mit digitalen Tools wie beispielsweise MS-Teams? Wann hilft das Chatten bei Meinungsbildungsprozessen und wann erhöht es lediglich die Quote der Missverständnisse? Wie organisieren wir die gemeinsame Dokumentenablage und gestalten Entscheidungsprozesse digital?
  • Gibt es sinnvolle Arbeitsmethoden für die Betriebsratsarbeit, die wir aus der agilen Arbeitswelt (“New Work”) adaptieren können? Ja, es stimmt: Viele können es nicht mehr hören, dass alles agil sein soll. Ob agile, lean, Kanban, Six Sigma oder früher TQM. Gut strukturierte methodische Arbeit hilft auch in der Betriebsratsarbeit. Womit haben wir gute Erfahrungen gemacht?
  • Mit welchen Themen müssen wir uns auseinandersetzen, die heute noch nicht dringlich sind? Was können wir von Betriebsräten lernen, deren Unternehmen in der digitalen Transformation schon weiter fortgeschritten sind? Wie können wir unser Initiativrecht nutzen, um relevante Themen auf die Tagesordnung der Geschäftsleitung zu bringen?
  • Wie gestalten wir die digitale Kommunikation mit den Kolleginnen und Kollegen? Waren wir in der Corona-Krise in gutem Kontakt mit der Belegschaft? Haben wir als Betriebsrat die Möglichkeit alle Mitarbeitenden digital zu erreichen und nutzen wir diese Möglichkeit mit Blogs, Video-Blogs, Videokonferenzen spielerisch und experimentell?

Betriebsratsarbeit – und wie es mit dem BetriebsratsDialog weitergeht…

Diesen Fragen wollen wir in der digitalen Veranstaltungsreihe „BetriebsratsDialog“ nachgehen. Dazu lade ich Sie herzlich ein.

BetriebsratsDialog ist eine Veranstaltungsreihe der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft SolidarConsult. SolidarConsult beschäftigt sich mit allen Facetten der digitalen Transformation und hat zum Ziel, die Digitalisierung partizipativ zu gestalten und eine breite Beteiligung der Mitarbeitenden und ihrer Gremien zu ermöglichen.

Dafür veranstalten wir sowohl branchenspezifische wie auch branchenübergreifende Vernetzungsveranstaltungen für Betriebsräte. Perspektivisch streben wir gemeinsame Diskussionen von Geschäftsleitung und Mitbestimmungsgremien an.

Passend zum Thema finden die Veranstaltungen (zunächst) digital statt. Eine Erweiterung beziehungsweise Ergänzung durch persönliche Events sind in der Planung.

Haben Sie Interesse? Das würde mich freuen. Melden Sie sich einfach hier zum Newsletter BetriebsratsDialog an und erhalten Sie weitere Informationen.

Herzliche Grüße
Michael Schubek

(Bild: olly18 via depositphotos)