Mediation: vom Stief- zum Lieblingskind

Mediation? Das ist doch so was Indisches, da sitzen sie und sagen „Ommm“. Zwar gibt es noch immer einige, die das mit Meditation – der östlichen Entspannungslehre –verwechseln. Mediation hingegen wird als allparteiliches und auf Ausgleich zielendes Verhandlungsformat immer bekannter und selbstverständlicher.

Wie ging es los?

Den Einstieg fand Mediation über Scheidungsverhandlungen, in denen vernünftige Menschen – KlientInnen und AnwältInnen – nicht mehr den Rosenkrieg wollten, sondern nach Streitformen und Lösungen zu suchen begannen. Diese sollten der gut miteinander verbrachten Zeit Tribut zollen, insbesondere im Sinne der Kinder, um ihnen beide Elternteile zu erhalten.

Und bald hielt die Mediation auch Einzug in das Umfeld politischer Auseinandersetzungen: Bei den öffentlich übertragenen Runden zu Stuttgart21 mit Heiner Geißler gingen die Bezeichnungen noch durcheinander. Mal sprachen die JournalistInnen von Mediation, mal von Schlichtergesprächen und kaum jemand klärte über den Unterschied auf:

Was ist Mediation genau?

Mediation meint freiwillige Teilnahme und Allparteilichkeit im Sinne einer Übereinkunft, in der die Interessen aller Beteiligten Raum und Bestand haben. Der Schlichterspruch wird angefragt, wenn die Parteien heillos zerstritten, die Gespräche festgefahren sind und ein bindender, richterähnlicher Spruch des Schlichters eine Lösung aufdrängt. Die Tarifgeschichte ist voll davon.

In der Mediation hingegen gibt es keine Verlierer, aber auch keine Gewinner! Kompromisse werden gefunden, Schritte beider (oder aller) Kontrahenten aufeinander zu sind vonnöten. Und da lassen alle Federn; die Lösung allerdings ist dann eine, in der sich alle zumindest ein Stück weit wiederfinden und sie damit auch mittragen können, in Realität übersetzen.

Welchen Vorteil hat Mediation?

Darüber hinaus ist nach einem mediierten Prozessverlauf die Erde nicht verbrannt. Im Gegenteil: Bei gutem Verlauf haben die Teilnehmenden gelernt, auch bei heftigem Ringen um die eigenen Interessen die des Gegenübers zu verstehen und auch zu akzeptieren. Denn durch „Der ist ein Mensch wie ich!“ kann eine Kultur des Streitens entstehen, die den jeweils Anderen das Gesicht wahren lässt. Und das ist die beste Voraussetzung für zukünftige Begegnungen!

Wo ist Mediation sinnvoll?

Grundlage für das Gelingen ist die Bereitschaft der Kontrahenten, die üblichen Machtspiele an die zweite Position zu rücken und zuallererst nach Lösungen zu suchen. Es ist also eine Frage der inneren Haltung und weniger die Frage nach spezifischen Einsatzgebieten. Wo immer Interessen verschieden sind, macht Mediation Sinn.

Und sie findet auch im Bereich der Arbeit immer mehr Einzug: Kluge ArbeitsrichterInnen nutzen sie. Auch in Sozialplanverhandlungen und Interessensausgleichen ist Mediation das Mittel der Wahl: Wenn Mitarbeitende freigesetzt, – im Klartext: entlassen – werden sollen, wenn Unternehmen eine andere Zielrichtung und damit unter Umständen den Bedarf nach anderen Mitarbeitenden entwickeln.

Das „Danach“ im Blick!

Hinterher aber müssen und/oder wollen die Verbleibenden ja noch gut mit ihrem Unternehmen zusammenarbeiten. Auch Arbeitgeber brauchen motivierte Mitarbeitende! Und eine gute weitere Zusammenarbeit hängt maßgeblich davon ab, wieviel Porzellan zerschlagen wurde, wieviel Vertrauen noch möglich ist, welche Erfahrungen man miteinander im Prozess gemacht hat.

Er lohnt, der Aufwand der Mediation. Nicht nur zur Findung guter und nachhaltiger Lösungen, sondern besonders auch im Hinblick auf das „Danach“, auf die Schaffung einer besseren Unternehmenskultur!

In diesem Sinne: packen Sie es an.

Ihr Julitta Münch
Partnerin vom Beratungshaus SolidarConsult aus Rösrath

(Bildquelle: domeckopol via pixabay, CC0)

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